
Begegnungen, die bleiben
Als ich im Juli meine Chancentour 2025 gestartet habe, wusste ich: Ich will Orte in Essen besuchen, an denen Teilhabe nicht nur ein Schlagwort ist, sondern jeden Tag gelebt wird. Während meiner Chancentour vom 14. bis 25. Juli habe ich insgesamt 24 Stationen in Essen besucht – zwei Wochen voller Eindrücke, Gespräche und Begegnungen. In der ersten Woche habe ich vor allem migrantische Unternehmen und Netzwerke besucht und erlebt, wie viel Wirtschaftskraft und Innovationskraft in ihnen steckt. In der zweiten Woche standen dann Migrant*innenselbstorganisationen und zivilgesellschaftliche Initiativen im Mittelpunkt, die mit ihrem Engagement Brücken bauen und unsere Gesellschaft täglich stärken.
Überall habe ich dieselbe Erfahrung gemacht: Vielfalt macht uns stärker. Essen ist eine Stadt, die von Einwanderung geprägt ist – und enorm davon profitiert. Überall begegnen mir Menschen, die Verantwortung übernehmen, Betriebe führen, unsere Straßen mit Leben füllen, Arbeitsplätze schaffen und sich kulturell oder sozial engagieren. Diese Geschichten verdienen Aufmerksamkeit – und sie brauchen auch die politische Wahrnehmung, die ihnen gerecht wird.
Zwei Wochen Chancentour: Wirtschaft trifft Zivilgesellschaft
Die erste Woche meiner Tour stand ganz im Zeichen von Arbeitsmarkt und migrantischer Ökonomie. Jedes Gespräch, jeder Besuch ein Beleg dafür, dass migrantisches Unternehmertum eine tragende Säule unserer Wirtschaft ist.

Ein besonderer Höhepunkt war das Netzwerktreffen im Zentrum für Türkeistudien und Integration, das wir gemeinsam mit Yunus Ulusoy organisiert haben. Unter dem Motto „Integration und Arbeit – Motor für Wirtschaft, Grundlage für gesellschaftliche Teilhabe“ kamen Unternehmer*innen, Akteure aus dem Gesundheitssektor, Vertreter*innen der Joblinge, der Essener Wirtschaftsgesellschaft, der IHK sowie Selbstständige aus Gastronomie und Lebensmittelherstellung, Finanzsektor, Medizin oder Sprachsektor zusammen. Deutlich wurde: Migrantische Gründer*innen bringen nicht nur Know-how, sondern auch Resilienz, Innovationskraft und neue Perspektiven mit – doch oft fehlt ihnen die Sichtbarkeit und politische Unterstützung, die sie verdienen. Die Vernetzung an diesem Tag hat gezeigt: Gemeinsam geht mehr.
👉 Lesetipp: Bertelsmann Stiftung – Migrantische Unternehmer*innen in Deutschland
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Besonders beeindruckt hat mich mein Besuch bei der ERZET. Das Unternehmen steht für innovative Gebäudedienstleistungen – mit vielfältigen Teams, fairen Arbeitsbedingungen und sozialer Verantwortung. In den Gesprächen über Migration, Teilhabe und Fachkräftemangel wurde deutlich: Unternehmen wie ERZET brauchen eine Politik, die Arbeitskräfte nicht durch Bürokratie ausbremst, sondern den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtert. Nur so bleibt NRW das Land der Möglichkeiten.
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Nicht weniger eindrucksvoll war mein Treffen mit Yalçın Başar, Inhaber eines Trockenbau- und Akustikbauunternehmens. Mit Migrationsgeschichte im Gepäck zeigt er, was gelebte Teilhabe bedeutet: Verantwortung übernehmen, ausbilden, gestalten. Solche Betriebe sind das Rückgrat unserer Wirtschaft – und es ist höchste Zeit, ihre Leistungen sichtbar zu machen und politisch zu stärken.
👉 Hier geht es zum Video: https://www.instagram.com/reel/DMM4_Evt_Jt/?igsh=MWYybHNvOGYzeTBxaA==
Die zweite Woche führte mich stärker in die Welt der Migrant*innenselbstorganisationen und zivilgesellschaftlichen Initiativen und Organisationen. Ob bei der Essener Immigrantenvereinigung, der Diakonie, der Caritas, dem Kreuzer, dem interkulturellen Energiezentrum, der Interkulturellen Assistenz oder im Essener Lernzentrum – überall wurde klar: Ohne ihre Arbeit, ihr Engagement und ihre Brückenfunktion wäre unsere Stadt ärmer.
Ein Highlight war das große Vernetzungstreffen im Unperfekthaus. Hier kamen unterschiedliche Organisationen zusammen, tauschten Erfahrungen aus und knüpften neue Verbindungen. Ein starkes Signal dafür, dass Zusammenarbeit mehr bewirkt als Konkurrenzdenken.
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Ein besonders eindrücklicher Tag meiner Tour führte mich nach Altendorf, gemeinsam mit Sandra Schumacher, Fraktionsvorsitzende der Grünen Ratsfraktion aus Essen. Zwischen Marktständen, kleinen Geschäften und in vielen offenen Gesprächen habe ich erlebt, wie vielfältig und lebendig dieser Stadtteil ist. Menschen haben ehrlich von ihrem Alltag erzählt – von Chancen, aber auch von Hürden. Mein großer Dank gilt Doris Eisenmenger, deren Engagement diese Begegnungen möglich gemacht hat. Besonders bewegt hat mich, wie viele Geflüchtete wir getroffen haben, die hochqualifiziert sind und sofort arbeiten möchten – Ärzt*innen, Ingenieu*innen, Fachkräfte. Doch ihre Abschlüsse werden hier (noch) nicht anerkannt. Das ist ein Verlust, den wir uns weder menschlich noch wirtschaftlich leisten können. Gerade in Zeiten von Fach- und Arbeitskräftemangel brauchen wir Lösungen, die ihre Kompetenzen sichtbar machen und nutzbar werden lassen.
👉 Hier geht es zum Video: https://www.instagram.com/reel/DNXqZqcNChJ/?igsh=NHkxeWxyZTZ3cWJl
Sehr bewegend war mein Besuch im Mädchentreff Perle. „Ich will Anwältin werden.“ – dieser Satz einer jungen Frau bleibt mir im Ohr. Sie kam einst als geflüchtetes Mädchen in den Treff, fand dort Schutz, Unterstützung und Vorbilder. Heute beginnt sie ihr Jurastudium – mit dem klaren Ziel, anderen zu helfen. Diese Geschichte steht stellvertretend für das, was die Perle jeden Tag möglich macht: geschützte Räume, in denen Mädchen und junge Frauen wachsen, lernen und an sich glauben können. Ob Hausaufgabenhilfe, kreative Projekte oder einfach ein sicherer Ort – die Perle gibt Halt, Stimme und Perspektive.
👉 Hier geht es zum Video: https://www.instagram.com/reel/DNSs4Zftg0z/?igsh=NDhkZWdzODRudm8w


Zum Abschluss meiner Tour ging es in die Essener Nordstadt, wo ich mit Reinhard Wiesemann und Monika Rintelen ins Gespräch kam. Dieser Stadtteil taucht oft in Schlagzeilen auf – leider meist mit einem defizitären Blick. Doch was Reinhard und Monika zeigten, war ein ganz anderer Blick: Potenziale statt Probleme, Vertrauen statt Vorurteile. Die Nordstadt ist voller Menschen, die gestalten wollen – wenn man sie lässt. Für mich war dieses Gespräch ein wichtiger Impuls: Wer Teilhabe ernst meint, muss genau dort Räume für Engagement schaffen, wo andere sie längst abgeschrieben haben.
👉 Hier geht es zum Video: https://www.instagram.com/reel/DNNWeTXtxYA/?igsh=MTVxaDI5bWZnNTU2Mw%3D%3D
Diese Begegnungen bleiben. Sie zeigen mir, dass zivilgesellschaftliche und auch Migrant*innenselbstorganisationen echte Brückenbauer*innen sind – zwischen Lebenswelten, zwischen Menschen, zwischen Perspektiven. Ohne sie wäre unsere Gesellschaft ärmer.
Dafür sage ich von Herzen: Danke. Danke an alle, die mir ihre Türen geöffnet und ihre Geschichten erzählt haben. Eure Arbeit macht unsere Stadt jeden Tag stärker.
Warum ich die Tour gemacht habe?
In der politischen Debatte über Migration wird oft so getan, als ginge es nur um Konflikte und Probleme. Natürlich gibt es Herausforderungen, das bestreite ich nicht. Aber die Wahrheit ist: Die große Mehrheit der Erfahrungen mit Migration ist positiv. Genau das wollte ich sichtbar machen.
Wir dürfen nicht zulassen, dass das Gute untergeht, nur weil sich Schlagzeilen lieber auf das Negative stürzen. Stattdessen sollten wir fragen: Wie können wir die positiven Beispiele oder viel mehr noch – die Realität – noch stärker sichtbar machen? Wie können wir die Geschichten und Stimmen hörbar machen, die unser Zusammenleben bereichern?
Meine Eindrücke unterwegs
- Wertschätzung ist entscheidend. Überall, wo ich war, haben Menschen mir gesagt, wie sehr sie es stärkt, wenn ihr Engagement gesehen wird.
- Vernetzung macht stark. Sobald Initiativen zusammenkommen, merken sie: Wir sind keine Konkurrenten – wir können uns gegenseitig helfen.
- Vielfalt ist ein Gewinn. Essen ist eine Stadt, die von Einwanderung geprägt ist und genau davon profitiert.
Fazit
Die Chancentour 2025 hat mir einmal mehr gezeigt: Teilhabe gelingt dort, wo Menschen die Chance bekommen, sich einzubringen – und wo wir als Politik, aber auch als Gesellschaft, hinschauen und zuhören. Vielfalt ist kein Kulturkampf, auch wenn manche Kräfte es so darstellen wollen. Sie ist ein Gewinn für Essen, für NRW und für unser Zusammenleben.
Ich nehme aus dieser Tour die klare Botschaft mit: Wir sind stärker, wenn wir zusammenarbeiten. Wenn wir die Stimmen stärken, die oft überhört werden, gewinnen wir alle.